Im Fokus

Die Elektromobilit?t ist der zentrale Baustein, um die Klimaziele im Verkehrssektor zu erreichen. Die Elektrifizierung von Personenkraftwagen hat in den letzten Monaten eine neue Dynamik entwickelt. Mittlerweile sind rund eine Million elektrisch angetriebene Pkw auf deutschen Stra?en unterwegs. Deutschland ist damit auf dem besten Wege, sich als Leitmarkt und -anbieter fu?r Elektromobilit?t zu etablieren und die gesetzte Zielmarke von sieben bis zehn Millionen zugelassenen Elektrofahrzeugen bis 2030 zu erreichen.

Kundinnen und Kunden k?nnen bereits heute aus mehr als 70 elektrischen Modellen allein deutscher Hersteller w?hlen (rein batterieelektrisch bzw. Plug-in-Hybride), Tendenz steigend. Der Anteil der Elektrofahrzeuge am Gesamtabsatz nimmt stetig zu und erreichte im Jahr 2020 einen Marktanteil von 13,5 %. In den Monaten Mai und Juni 2021 war sogar fast jedes vierte Neufahrzeug in Deutschland mit einem alternativen Antrieb ausgestattet (vgl. Abbildung 1). VW Up (15.471), Tesla Model 3 (13.719), und VW ID.3 (12.915) sind die meistverkauften Modelle reiner Elektroautos (BEV) in der ersten Jahresh?lfte 2021. (Abbildung 1)

Alle deutschen Automobilhersteller verfolgen mittlerweile ambitionierte Elektrifizierungsstrategien. Der Volkswagen-Konzern strebt mit seiner Kernmarke an, bis 2030 in Europa 70 % des Pkw-Absatzes mit reinen Elektrofahrzeugen und 30 % mit Plug-in-Hybriden zu bedienen. BMW will bis 2030 50 % aller Modelle elektrifizieren (Strategie "E-Mobility First"). Auch Daimler will in Zukunft mit der Strategie "Electric First" nur noch Pkw-Neuwagen mit Elektroaggregaten anbieten.


Im Fokus

Die Zukunft ist elektrisch und digital

Die ku?nftige Marktfu?hrerschaft in der Automobilindustrie wird au?erdem im Bereich Digitalisierung entschieden. Fahrzeuge werden zunehmend als "smart devices" entwickelt, welche auch nach dem Kauf mittels Software-Updates mit neuen Funktionalit?ten und Dienstleistungen ausgestattet werden k?nnen. Besonders chinesische Unternehmen streben hier durch Innovationsst?rke und schnelle Umsetzung nach Marktfu?hrerschaft. Auch in Deutschland wird sich ein Milliardenmarkt fu?r software- und datengetriebene Gesch?ftsmodelle im Automobilbereich entwickeln und v?llig neue Wertsch?pfungsketten entstehen lassen. Deutsche Autobauer haben diesen Trend erkannt und arbeiten bereits an der Entwicklung eigener Informationstechnologie- und Betriebssysteme.

Lade-Infrastruktur als Schlüssel zur Kundenakzeptanz

Eine bedarfsgerechte und nutzerfreundliche Lade-Infrastruktur ist fu?r die Kundenakzeptanz der Elektromobilit?t entscheidend. Bereits heute gibt es rund 43.000 ?ffentlich zug?ngliche Ladepunkte, davon rund 6.100 Schnellladepunkte. Um bis 2030 fl?chendeckend Ladem?glichkeiten fu?r sieben bis zehn Millionen Elektrofahrzeuge zu errichten, hat die Bundesregierung den Masterplan Ladeinfrastruktur verabschiedet. Hier wird definiert, wie mit gezielten F?rderungen und einer aktiven Koordination zwischen Bund, L?ndern, Kommunen und Industrie diese Infrastruktur fl?chendeckend ausgebaut werden soll. Dazu z?hlt das Programm zur F?rderung von 1.000 Schnelllades?ulen und zur F?rderung von ?ffentlich zug?nglicher und privater Lade-Infrastruktur.

Dazu geh?rt auch die Novellierung der gesetzlichen Rahmenbedingen fu?r die ?ffentlich zug?ngliche Lade-Infrastruktur. Die 2021 u?berarbeitete Lades?ulenverordnung st?rkt die Nutzerfreundlichkeit und schafft die Basis fu?r ein einheitliches Bezahlsystem. So soll ku?nftig das kontaktlose Bezahlen mit g?ngigen Kredit- und Debitkarte an allen Lades?ulen m?glich sein, die ab dem 1. Juli 2023 erstmalig in Betrieb genommen werden. Der Bundesrat muss den ?nderungen noch zustimmen.

Verschiedene F?rderinstrumente – Ein Ziel

Um die Transformation zur Elektromobilit?t erfolgreich zu gestalten und die Emissionen von Fahrzeugen entsprechend der EU-weiten CO2-Flottenregulierung zu reduzieren, ist es n?tig, den Markthochlauf der Elektromobilit?t zielgerichtet mit Forschungs- und Innovationshilfen sowie mit pr?zisen Instrumenten zur St?rkung der Angebotsund Nachfrageseite zu unterstu?tzen. Die wichtigsten staatlichen F?rderma?nahmen umfassen den bis 2025 verl?ngerten Umweltbonus fu?r Neufahrzeuge, steuerliche Erleichterungen, die F?rderung des Ausbaus der Lade-Infrastruktur sowie Forschungsf?rderung im Bereich der Elektromobilit?t und Batteriezellfertigung.

In Kürze Viele Anreize: Steuererleichterungen, deutlich mehr Lades?ulen, Investitionen fu?r die Batteriezellproduktion plus Verdopplung des Bundesanteils im Umweltbonus.

Die im Jahr 2020 eingefu?hrte Innovationspr?mie (Verdopplung des Bundesteils im Umweltbonus) ist das zentrale F?rderinstrument auf der Nachfrageseite. Fahrzeughalterinnen und -halter erhalten bei Kauf von reinen Elektrofahrzeugen, Plug-in-Hybriden und Brennstoffzellen-Elektrofahrzeugen einen Zuschuss von insgesamt bis zu 9.000 Euro (6.000 Euro Bundesanteil + 3.000 Euro Herstelleranteil). Seit der Einfu?hrung haben die Antragszahlen fu?r den Umweltbonus deutlich zugenommen. W?hrend im Gesamtjahr 2020 K?uferinnen und K?ufer eine F?rderung fu?r mehr als 255.000 Elektrofahrzeuge beantragten, war dies allein von Januar bis Mai 2021 bereits fu?r knapp 222.000 Fahrzeuge der Fall. Diese Zahlen zeigen: Der Umweltbonus wirkt, immer mehr Menschen sind von der Elektromobilit?t u?berzeugt. Zudem ist die Ma?nahme sozial ausgewogen, da kostengu?nstigere kleine Fahrzeuge st?rker bezuschusst werden.

Ein weiteres wichtiges Instrument zur Steigerung der Nachfrage stellt die Kfz-Steuerbefreiung fu?r bis 2025 erstzugelassene reine Elektrofahrzeuge dar. Erwerberinnen und Erwerber erhalten eine bis zu zehnj?hrige Kfz-Steuerbefreiung, l?ngstens jedoch bis Ende 2030. Forschung und Entwicklung (FuE) im Bereich der Elektromobilit?t sind Grundlage fu?r Innovationskraft und internationale Wettbewerbsf?higkeit in einem zunehmend globalisierten und strategisch bedeutsamen Zukunftsmarkt. Mit der novellierten gemeinsamen F?rderrichtlinie "Elektro-mobil" des BMWi und des BMU wurde im Bereich der Elektromobilit?t ein verl?sslicher F?rderrahmen bis Mitte der Dekade geschaffen, auf dessen Grundlage die bisherige FuE-F?rderung fortgefu?hrt werden kann. Insgesamt stellen BMU und BMWi hierfu?r in verschiedenen F?rderaufrufen rund 400 Mio. Euro zur Verfu?gung. Der letzte F?rderaufruf des BMWi zur Integration von Energie- und Verkehrssystemen vom 2. Juli 2020 war mit einem beantragten Mittelvolumen von knapp 250 Mio. Euro mehrfach u?berzeichnet; der n?chste F?rderaufruf wird noch Mitte 2021 ver?ffentlicht werden.

Im Fokus

Deutschland im Zentrum der europ?ischen Batterie-Wertsch?pfung

Die Batterie ist mit rund 40 % Wertsch?pfungsanteil Herzstu?ck des Elektroautos. Batterien heute produzierter Elektrofahrzeuge stammen bislang u?berwiegend aus Asien. Aufgrund des hohen Wertsch?pfungsanteils ist es von gro?er industriepolitischer Bedeutung, dass Europa in Zukunft ebenfalls u?ber das notwendige Produktionswissen und ausreichend eigene Fertigungskapazit?ten verfu?gt und die Batterieherstellung entlang weiter Teile der Wertsch?pfungskette beherrscht.

Der Zuschuss beim Kauf eines E-Autos wurde deutlich erh?ht.

In Europa ist derzeit ein regelrechter Boom in der Batteriezellenfertigung zu beobachten. Der Bau von mehr als 20 sogenannten "Gigafactories" ist geplant und wird teilweise schon umgesetzt. Tesla in Gru?nheide, Volkswagen in Salzgitter, ACC in Kaierslautern, Porsche und CustomCells in Tu?bingen, Varta in Ellwangen sowie die Kathodenfertigung von BASF in der Lausitz sind nur einige prominente Beispiele fu?r Batteriegro?projekte und zeigen, dass Deutschland im Zentrum der neuen Wertsch?pfung steht. Europaweit werden bis 2030 rund 46 Milliarden Euro in Batterieprojekte investiert, 21 Milliarden Euro davon allein in Deutschland. Rund 100.000 neue Arbeitspl?tze entstehen im Batteriesektor. Dadurch kann ein wichtiger Beitrag zur Abfederung absehbarer negativer Besch?ftigungseffekte im Bereich der Zulieferer und Hersteller von Verbrennungsmotoren geleistet werden. Neue Wertsch?pfung entsteht und zieht Zulieferer nach.

Im Fokus

Durch den im Vergleich zu asiatischen Standorten deutlich gr??eren Anteil von erneuerbaren Energien am Strommix fu?hren in Deutschland und Europa hergestellte Batteriezellen zu einer unmittelbaren und signifikanten Reduktion der Treibhausgasemissionen im Produktionsprozess. Zus?tzlich wirken die eingesparten langen Transportwege positiv auf den CO2-Fu?abdruck, wenn Batterien von europ?ischen Standorten bezogen werden. Auch siedeln sich zunehmend Unternehmen der Recycling-Industrie in Europa an. Bei Anwendung umweltschonender Produktionsverfahren werden dadurch Treibhausgas-Emissionen u?ber den gesamten Lebenszyklus der Batterie gesenkt.

Der Staat als Impulsgeber für private Investitionen.

Europa wird im Jahr 2030 voraussichtlich ein Drittel des Weltmarktes in der Batteriezellfertigung bedienen k?nnen. Gemeinsam mit der Europ?ischen Kommission wurden zwei Vorhaben im Rahmen des Beihilferechtsinstruments der "Important Projects of Common European Interest" (IPCEI) ins Leben gerufen. Durch IPCEI gef?rderte Projekte haben grunds?tzlich einen starken Forschungs- und Entwicklungscharakter und sind instrumental, um neue Technologien in Europa erstmalig anzusto?en. Grundkonsens ist, die Industriepolitik und die IPCEI-F?rderung konsequent nach klimapolitischen Erfordernissen auszurichten. So schaffen wir nachhaltiges Wirtschaftswachstum und st?rken die Wettbewerbsf?higkeit der Industrie mit Blick auf das Ziel eines klimaneutralen Europas bis zum Jahr 2050.

In Kürze Viele neue Arbeitspl?tze, ein deutlich kleinerer CO2-Fu?druck: Europ?ische Batteriezellen bringen klare Vorteile mit sich.

Insgesamt haben sich zw?lf europ?ische Mitgliedstaaten mit 42 teilnehmenden Unternehmen an den beiden IPCEI im Bereich Batterieproduktion beteiligt.

Deutschland ist bei dieser neuen Wertsch?pfung hervorragend aufgestellt. Mit knapp drei Milliarden Euro f?rdert die Bundesregierung im Rahmen der Batterie-IPCEI zahlreiche deutsche Unternehmen, private Investoren beteiligen sich mit insgesamt u?ber 13 Milliarden Euro. Die vertretenen Unternehmen bilden alle Batterie-Wertsch?pfungsstufen ab. Dabei kooperieren sie mit Unternehmen aus ganz Europa, so dass das neue Wertsch?pfungsnetzwerk von vorneherein ein gesamteurop?isches wird. Kern der wirtschaftlichen Aktivit?ten bilden fu?nf Batteriezellfertiger und ein Unternehmen, das sich auf station?re Batteriespeicher fokussiert (Abbildung 2). Gef?rdert werden zudem ein Unternehmen der Rohstoffverarbeitung und zwei aus dem Bereich des Recyclings. Vertreten sind au?erdem eine Kathoden- und eine Anodenfertigung. Zu den Innovationsclustern geh?ren zwei Automobilunternehmen, ein Maschinenbauunternehmen sowie zwei Unternehmen, die wichtige Batteriekomponenten herstellen.

Mit knapp 3 Mrd. Euro f?rdert die Bundesregierung deutsche Unternehmen im Rahmen der Batterie-IPCEI.

Die Projekte machen deutlich, dass Investitionsprozesse in der Batteriezellenproduktion haupts?chlich privatwirtschaftlich getrieben und finanziert sind. Der Staat agiert dabei aber einmalig als Impulsgeber und schafft somit die Voraussetzungen fu?r das Entstehen neuer M?rkte. Damit sind die Aktivit?ten im Bereich der Batterieproduktion beispielgebend fu?r eine aktivierende Industriepolitik, die die Bundesregierung auch in weiteren Zukunftsbranchen wie beim Wasserstoff oder der Mikroelektronik verfolgt.

Kontakt
FELIX BRECHT
Referat: Neue Antriebstechnologien, Elektromobilit?t, Umweltinnovationen
schlaglichter@bmwi.bund.de